Schwammstadt Uzwil

Point Trail Schwammstadt Uzwil

Uzwil präsentiert sich heute mit seinen rund 14’700 Einwohnerinnen und Einwohnern als fünftgrösste Gemeinde des Kantons. Der Grossteil der Bevölkerung wohnt in den Dörfern Uzwil und Niederuzwil. Die beiden Zentren werden vom Industrieareal und einem Villenviertel mit grosszügigen landschaftlichen Parkräumen getrennt und zugleich von der Bahnhofstrasse und der Gupfenstrasse verbunden.

Auf einem Spaziergang durch Uzwil wird aufgezeigt, wie die Gemeinde mit den Herausforderungen rund um die Anpassung der Siedlung an die Veränderungen durch den Klimawandel umgeht: Wie macht sie das beim Planen und Bauen? Wie geht die Gemeinde mit mehr Hitze um, mit Starkniederschlagsereignissen, wie kann die die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Gemeinde erhalten bleiben? Uzwil nimmt damit seinen Energiestadt-Slogan «jetzt für morgen» wortwörtlich.

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Point Trail Schwammstadt Uzwil

  • START: Gemeindehaus

    Kommunale Bauten prägen die Identität von Dörfern über Jahrzehnte. Ein zeitgemässes Gemeindehaus ist ein Mehrzweckbau und Begegnungsort. Das Gemeindehaus steht am Rande des ursprünglichen Zentrums von Uzwil am tiefsten Punkt in der Talmulde neben der Uze. Das Gemeindehaus präsentiert sich entlang der Lindenstrasse als prägnanter fünfgeschossiger Baukörper und orientiert sich mit dem Haupteingang zum hangaufwärts gelegenen Dorfzentrum. Eine wichtige Inspiration bildet der geschichtsträchtige Ort. Bis in den 1930er-Jahren wurden auf dem Areal Schifflistickereien produziert. An diese textile Vergangenheit des Ortes wird im neuen Gemeindehaus stellenweise erinnert (Glasornament auf dem Gemeindehausplatz, der den Namen «Stickereiplatz» trägt, Fenster- und Türverblendungen usw).

  • Station 1: Lindenring

    Der Lindenring ist ein wichtiger Mosaikstein in der Uzwiler Zentrumsentwicklung. Als Teil einer potenziellen Promenade entlang der Uze entstand an der Lindenstrasse ein grösserer Freiraum, welcher Besuchenden zum Aufenthalt unter dem Ring aus Linden einlädt.

    Die Linden rund um den Platz tauchen den Platz in angenehmen Halbschatten. Der Platz ist versickerungsfähig und bietet auch den Bäumen genügend Platz für ihre Wurzeln. Er ist nicht nur als ein Treffpunkt für die Gemeinde, sondern regt auch die Besucher zum Spielen (z.B. mit Boccia) auf dem Lindenring an.

    «Vor wenigen Jahren war die Lindenstrasse vieles, aber keine Strasse mit einer Zentrumsfunktion. Die letzte Ortsplanungsrevision hat die Weichen gestellt, damit sich Zentrumsnutzungen entlang der Lindenstrasse ansiedeln können.»

    Lindenring_Visu

  • Station 2: Schifflipark

    Nur wenige Meter entfernt, hinter dem Gemeindehaus, bietet sich bereits ein völlig anderes Bild: Der Schifflipark ist für Schweizer Verhältnisse ein richtiger Park, inklusive Spielplatz und Freifläche. Er fungiert als «Central Park von Uzwil» und fördert durch seine Begrünung die Artenvielfalt sowie das Mikroklima. Der Schifflipark in Uzwil ist ein zentrales Biodiversitäts-Projekt, das durch über 5000 Pflanzen, 9 Bäume, knapp 1000 Zwiebelpflanzen und 2600 Quadratmeter Ansaaten einen wertvollen Rückzugsort im Siedlungsraum schafft.

    «Eine Schifflistickerei vor dem Platz begrüsst Sie auch hier und nimmt den Faden der Geschichte auf.»

    Über die Geschichte und die wichtigsten Meilensteine in der Uzwiler Geschichte haben wir Ihnen hier aufgelistet: https://www.uzwil.ch/de/politik-verwaltung/portrait/geschichte

    Mehr Lust auf Geschichte? Im grossformatigen Buch "Uzwil - Unser Weg" zeichnen Historiker die Geschichte der Gemeinde auf über 400 Seiten nach. Attraktiv, unverstaubt und lebensnah. Das Buch können Sie bei der Réception  erwerben.

     

  • Station 3: An der Uze

    Die Uze spielt für die Entwicklung von Uzwil eine zentrale Rolle, brachte sie doch durch ihrer Nutzung der Wasserkraft die Industrie in den Lebensraum. Die heutige Gemeinde Uzwil besteht immer noch aus sieben Dörfern, eingebettet in die grüne Landschaft. Selbst die beiden zentralen Dörfer Uzwil und Niederuzwil weisen an ihrer Scharnierstelle einen Grüngürtel auf.  Er soll erhalten werden, was in der Ortsplanung abgebildet ist. Die Gewässer als Lebensader für Pflanzen, Tiere und Mensch dienen als Verbindung und sollen auch für den Fuss- und Veloverkehr als Netz dienen. Die Gemeinde ist interessiert an aktivem Austausch mit Bauherren, um verschiedene Beteiligte zusammenzuführen und um gute Lösungen und neue Ansätze zu finden.

    «Die Uze wird als durchlaufender Grünraum aktiviert»

  • Station 4: Hueberbach

    Seit gut 100 Jahren ist der Hueberbach auf Uzwiler Gemeindegebiet weitgehend eingedolt. Vom Buecherwäldli aus fliesst der Bach unter dem Quartier, teils unter Häusern, unterquert die Wiesentalstrasse und kommt erst wieder bei seinem Auslauf in die Uze ans Tageslicht. Aus den Augen, aus dem Sinn ist der Bach im Alltag. Ausser, es ist grad Hochwasser. 1970 vermochte die Eindolung die Wassermassen des Hueberbaches nicht mehr aufzunehmen.

    Der Kanal des Hueberbaches war zudem seit Jahren in einem schlechten Zustand und sanierungsbedürftig. Der Hueberbach in Uzwil wird seit dem 30. November 2025 auf etwa 360 Metern offengelegt und revitalisiert. Er wird so vom unterirdischen Kanal zum wertvollen Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen werden. Das Gewässer wird harmonisch in die neu entstehende, zentrumsnahe Wohnüberbauung integriert. Und: Der offene Bach ist so geplant, dass er das Wasser jederzeit ableiten kann. Der Hochwasserschutz des Gebiets wird so nachhaltig verbessert.

    «Der Hueberbach zeigt, was möglich ist, wenn Vision, Mut und Zusammenarbeit zusammentreffen.»

    «Der Bach wird wieder sichtbar, hörbar und erlebbar – ein Gewinn für Biodiversität und Lebensqualität.» 

  • Station 5: Temperaturmessungen

    In Niederuzwil gab es 2023 mehrere Tropennächte. In den ländlicheren Dörfern der Gemeinde dagegen keine einzige, obwohl es dort tagsüber ähnlich heiss wurde. Auch das Dorf Uzwil war deutlich weniger betroffen. Dafür ist weitgehend die Topografie verantwortlich. Der Luftaustausch funktioniert auf der Ebene deutlich schlechter. Einer der heissesten Orte tagsüber in der Gemeinde ist die Fabrikstrasse im Industriegebiet.

    «Die Temperaturen an der Fassade hätten zum Niedergaren eines Fleischstückes ausgereicht.» 

    Diese Erkenntnisse hat die Gemeinde Uzwil aus eigenen Messungen gewonnen. Es sind gesamthaft an 25 Stellen Temperaturmessungen durchgeführt worden. Davon wurden mit 15 Messpunkten die Luft, mit 7 Messungen die Meteorwassertemperatur und mit 3 Messungen die Wassertemperatur der Uze gemessen. Die Messungen zeigten auch Zusammenhänge für die Gewässer. Grosse versiegelte Flächen wie Parkplätze und Strassen erwärmen sich in der sommerlichen Hitze intensiv. Folgt darauf ein Gewitter, erwärmt sich der Regen auf diesen Flächen stark und transportiert die Wärme mit dem Wasser über die Meteorwasserleitungen in die Bäche. Aus den Daten ablesbar sind auch die positiven Wirkungen des Grüngürtels zwischen Uzwil und Niederuzwil auf die Temperaturen. Seine grossflächige Durchgrünung und die Konzentration von Bäumen sorgen flächig für angenehmere Temperaturen. Sie sind im Grüngürtel rund fünf Grad tiefer als in den benachbarten Ortszentren.

    Die Gemeinde Uzwil ist eher zu klein für ein klassisches Schwammstadt-Konzept, aber sie möchte die Idee auf die lokalen Gegebenheiten herunterbrechen. So investiert die Gemeinde zum Beispiel in Quartierbegehungen und folgt den Wassersträngen, um herauszufinden, wo Wasser entzogen, und Potenzial erkannt wird. Uzwil hat einige stark versiegelte Flächen, vor allem an den Industriestandorten. Ziel ist es, bei Strassensanierungen die Versickerungsfähigkeit zu erhöhen. Wird ein Gebiet zur Tempo 30 baulich umgestaltet, werden anstatt der klassische Verkehrsberuhigungselemente attraktiv begrünte Rabatten realisiert und Bäume gepflanzt. Als Basis hat die Gemeinde bereits ein Biodiversitätskonzept erarbeitet.

  • Station 6: BGK Gupfenstrasse (Betriebs- und Gestaltungskonzept)

    Seit dem Jahr 2020 laufen gemeinsam mit dem Tiefbauamt des Kantons Planungsarbeiten für die Neugestaltung der Gupfenstrasse vom Augarten bis zum Coop-Kreisel. Und für Uzwil ist klar: Es braucht ein durchgängiges Gesamtkonzept der Verbindungsachse für den Lebensraum von Oberbüren über Uzwil bis Oberuzwil.

    Die heute trennende Mittelinsel der Strasse wird verschwinden. Aus den überbreiten werden breite Fahrbahnen, welche den Verkehr problemlos bewältigen. Der gewonnene Raum ermöglicht Verbesserungen für den Langsamverkehr und mehr Grün statt Belag. Beidseitige Radstreifen bleiben und ermöglichen «schnellen» Veloverkehr. Ein überbreites Trottoir auf der Seite Badi / Seniorenzentrum, durch einen Grünraum von der Fahrbahn abgetrennt, ermöglicht auch gemütliches Radfahren mit der Familie. Die begleitenden Grünflächen nehmen das Strassenwasser auf, speichern und filtern es und lassen es vor Ort versickern, statt es via Kanalnetz in die Kläranlage zu führen.

  • Station 7: BGK Sportstrasse (Betriebs- und Gestaltungskonzept)

    Bei jedem Strassenbauvorhaben wird überprüft, wie die Belagsflächen zugunsten von mehr Grün reduziert werden können. Das Ziel der „Schwammstadt“ ist eine grün-blaue und nicht graue Infrastruktur zu erstellen. Das bedeutet mehr Grünflächen, welche als Retentionsfläche genutzt werden können, um das Oberflächenwasser verdunsten oder versickern zu lassen. Ebenfalls soll durch diese Massnahmen den Bäumen auch in einer Trockenphase genügend Wasser zur Verfügung stehen. Flächen sind darauf ausgelegt, das Oberflächenwasser des Regenereignisses aufzunehmen. Bei größeren Niederschlagsereignissen wird das überschüssige Wasser durch die an den Baumrabatten angeordneten Strassensammler erfasst und über den Regenwasserkanal in die Uze abgeleitet. Dasselbe Verfahren gilt auch für die Rasengittersteinflächen.

  • Station 8: Naturgarten

    Der NVU (der Natur- und Vogelschutzverein Uzwil) hat mit der Gemeinde Uzwil einen Nutzleih-Vertrag abgeschlossen. Auf einer Fläche von 6000 m2 wurde ein Naturgarten mit ganz unterschiedlichen Elementen erstellt. Diese sind Beispiele, wie die "Biodiversität im Siedlungsraum" umgesetzt werden kann.

    Auf dem Grundstück ist ein Obstgarten, eine Blumenwiese, eine Ruderalfläche mit Trockenmauer, verschiedene Hecken und Kleinstrukturen entstanden. Für Tiere werden Nisthilfen aufgestellt, wie zum Beispiel ein Bienenhotel. Durch diesen Naturgarten führt ein Pfad, der spannende Beobachtungen ermöglicht. Der Naturgarten NVU wurde 2022 im Jubiläumsjahr von BirdLife als Naturjuwel aufgenommen.

  • Station 9: Hirzenpark

    Im Hirzenpark wird viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das Ziel der Bauherren ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren. Da ist der grosszügige Innenhof mit Blumenwiesen und einheimischen Gehölzen, der zum Plaudern und Verweilen einlädt, oder das ausgeklügelte Energiekonzept.

    Um eine grosszügige Parkanlage wurden in der ersten Bauetappe vier Gebäude mit 137 Mietwohnungen realisiert. Der Bau der zweiten und letzten Etappe, mit insgesamt sechs Gebäuden und 300 Wohnungen, hat begonnen.

    Die Wohnüberbauung Hirzenpark in Uzwil ist geprägt von einer sanften Topgrafie, umgeben von grossen Streuobstwiesen. Das Projekt verbindet ländliche Qualitäten mit zeitgemässer Wohnform und schafft mit 10 freistehenden Häusern eine neue Identität für den Ort.

    «Ländliche Weite trifft urbane Dichte». 

  • Station 10: Evangelische Kirche / Uzeschuel

    Mathias Naef legte den Grundstein für die Uzwiler Industrie. Weil es der Dynastie dieses Textilpioniers und Politiker gelungen ist, den Bahnhof möglichst nahe an seine Fabriken in Niederuzwil zu legen – was die kurvenreiche Linienführung der Eisenbahnstrecke zwischen Wil und Flawil erklärt, konnte sich Uzwil zum wichtigen Industrieort entwickeln. Er hat mit seiner Weitsicht auch grosse Grünflächen, welche bis heute nicht bebaut wurden, geschaffen. Darin sind verschiedene öffentliche Bauten eingebettet.

    In den letzten Jahren wurden grosse Rasenflächen in biodiverse Naturwiesen umgewandelt, beispielsweise auf Friedhöfen, welche heute das Bild prägen.

    Beim evangelischen Pfarrhaus können auch Mammutbäume entdeckt werden. Diese eindrücklichen Riesen gelten seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa als seltene Parkbäume.

  • Station 11: Gemeindesaal Wiese

    Der Gemeindesaal in Uzwil, ein funktionaler Bau von 1987 für Kultur und Versammlungen, ist in eine gepflegte Parkanlage eingebettet. Die begleitende Parkanlage bietet eine grüne Kulisse und wertet den Außenbereich auf.

    Die Baukultur von Uzwil setzt sich für die nachhaltige Stärkung des Siedlungsraums ein. Sie verbindet Innenentwicklung mit hoher Lebensqualität, fördert die Biodiversität und sorgt für klimaresiliente Quartiere.

     

  • Station 12: Bahnhofstrasse

    An der Bahnhofstrasse lässt sich der Gestaltungswille der Gemeinde illustrieren. Das Projekt besteht aus zwei Teilen: der aktiven Steuerung der baulichen Entwicklung der Bebauung beidseits der Strasse und der Gestaltung des öffentlichen Raums. Dank der Gestaltung und den Bäumen sowie mehr Flächen für den Langsamverkehr konnten die Lebensqualität entlang der Strasse gesteigert und gleichzeitig die gefahrenen Geschwindigkeiten auf der Strasse reduziert werden.
    Auf einem Grundstück sind Ideen entwickelt worden, bereits bevor private Planungen entstanden sind. Als Vorgabe wurde zudem verankert, dass das Wasser vor Ort versickert werden muss oder wenn eine Versickerung nicht möglich ist, dann einen Beweis erbringen.

    «Es gewinnen Mensch und Natur.»  

  • Ende des Rundgangs

    Jeder und jede kann zum Klimaschutz beitragen!

    Das Schwammstadt-Prinzip lässt sich hervorragend auch auf privaten Grundstücken umsetzen. Das Regenwasser kann auf eigenen Grund und Boden versickert, gespeichert und verdunstet werden. Das wiederum entlastet die Kanalisation, beugt Überflutungen vor und schafft ein kühleres Mikroklima. Einheimische sowie standortgerechte Pflanzengemeinschaften tragen nicht nur deutlich zur Biodiversität und zur Senkung der Umgebungstemperatur im eigenen Garten bei, sondern sind Schotter- und Steingärten hinsichtlich ihrer ökologischen Wirkung auch klar überlegen. Der Nutzen wird schnell spürbar.

    Um Ihre individuelle Klimabilanz noch besser zu verstehen und zu optimieren, können Sie spezielle CO2-Rechner nutzen. Beispielsweise bietet myclimate einen detaillierten myclimate CO2-Rechner an, mit dem Sie Ihre Emissionen exakt berechnen und bei Bedarf kompensieren können.

Personen

Paly Christoph

Bereichsleiter Bau

Bruggmann Marco

Projektleiter Ortsplanung und Siedlungsentwicklung

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