Treppe
Am Konkordia-Platz treffen der grosse Aletschfirn, der Jungfrau-Firn und das Ewigschneefäld zusammen. Da stehe ich also auf dem Gletscher vor einer Felswand in den Alpen. Eine lange, lange Stahl-Treppe führt hinauf zur Konkordiahütte. Früher waren Hütte und Gletscher gleichauf. Heute thront die Hütte 150 Höhenmeter weiter oben - das entspricht etwa dem Kölner Dom.
Wie komme ich da rauf? Die Beine sind noch ‚sauer’ von der Ski-Abfahrt über das pickelharte Eis. Die fehlende Akklimatisation an die Höhe lässt das Blut in den Ohren rauschen. Die Treppe mit ihren Gitterrost-Stufen ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Dafür gibts immer wieder mal ein Podest zum Ausschnaufen. Das Herz schlägt bis zum Hals und die Kollegen sind schon oben beim Bier.
Unterwegs kämpfe ich um jede Stufe, um Luft und denke an meine Mutter, 85-jährig, und meinen Ratschlag: «Nimm die Treppe, nicht den Lift.»
Sich in andere Menschen einfühlen ist nicht einfach - siehe hier. Oft sind die biologischen, psychischen und physiologischen Umstände zu verschieden.
Ob es hilft, sich später im Leben auf einem Treppenpodest die Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau vorzustellen? Jedenfalls werde ich mich mit Ratschlägen künftig etwas zurückhalten.
Lucas Keel
Gemeindepräsident