Potenzialraum Einfamilienhaus
Uzwil steckt – wie viele Gemeinden – mitten in den Arbeiten für die Ortsplanungsrevision. Damit einher gehen Fragen wie: Wo verdichten, wo nicht? Wie verdichten? Rund 57 % der Wohngebäude in der Schweiz sind Einfamilienhäuser. In knapp der Hälfte davon leben ein bis zwei Personen. Die meisten Einfamilienhäuser in der Schweiz wurden zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren gebaut, mit einem deutlichen Bauhöhepunkt in den 1970er-Jahren. Rund 40 % des heutigen Bestands stammen aus den Jahren 1960 bis 1985. Der grosse Bestand an alternden Einfamilienhäusern stellt eine Herausforderung und zugleich eine Chance dar. Im Hinblick auf sanftes Verdichten durch minimal-invasive Transformationen ist das Einfamilienhaus ein bislang wenig beachteter Potenzialraum für die Zukunft. Welche Möglichkeiten gibt es? Wo sind die Grenzen? Diese Fragen sind auch für die Uzwiler Ortsplanungsrevision bedeutend. Um diesen Fragen auf die Spur zu gehen, beteiligt sich die Gemeinde am Projekt «ALLES BLEIBT ANDERS». Es soll den Potenzialen bestehender Einfamilienhäuser anhand konkreter Beispiele auf den Grund gehen. Dabei geht es nicht darum, ältere Bewohner zugunsten jüngerer «aus den Häusern zu vertreiben». Ein Wegzug, Auszug oder Verkauf muss nicht sein. Es geht um Strategien und Konzepte, Häuser sanft anzupassen.
Das Einfamilienhaus
Einfamilienhäuser sind Raum für Erinnerungen und Träume, Garten und Grosskinder, Besuch und Familie. Mit den Jahren wird das Haus zum passgenauen Anzug. Doch was passiert, wenn Kinder ausziehen und stattdessen auf Grosskinder aufgepasst wird? Was, wenn die Arbeit im Haus und im Garten eigentlich ein bisschen zu viel ist? Was, wenn ein Gast zur Mitbewohnerin wird oder man Lust auf eine Alters-WG bekommt? Gibt es nicht manchmal Situationen, in denen der passgenaue Anzug – das Einfamilienhaus – eine kleine Anpassung, eine Abtrennung oder eine Erweiterung benötigt?
Umbauen ist Fortschreiben
Genau das hat das Team um Aimée Michelfelder und Jurek Brüggen vor: 10 Tage, 10 Häuser, 10 Transformationskonzepte für Einfamilienhausbesitzerinnen und Einfamilienhausbesitzer in Uzwil, mit Unterstützung der Gemeinde. Das Architekturkollektiv AFEA (Association For Ecological Architecture) widmet sich mit grosser Passion Menschen mit ihren Geschichten und dem Bauen im Bestand: Sei es die Transformation eines DDR-Plattenbaus in ein Einfamilienhaus-Haus, das Realisieren eines Modellprojekts für ökologisches Wohnen und Arbeiten auf dem Land (Komturei Werben) oder das Herausarbeiten von schlummerndem Potenzial in Einfamilienhäusern in der Schweiz.
Mehr-Nutzung statt Unternutzung
Zwei Entwicklungen liegen dem Projekt zugrunde: Wir werden immer älter, oft sind Häuser nicht vollständig bewohnt. Anstelle von Unternutzung, Wegzug oder Abbruch plädiert AFEA dafür, Häuser mit kleinen, präzisen Eingriffen so flexibel zu machen, dass sie sich an ändernde Lebensrealitäten anpassen können – ohne auf Komfort oder Privatsphäre zu verzichten. Dafür werden räumliche Gegebenheiten gezielt angepasst. Alles kann bleiben, nur ein bisschen anders – alles bleibt anders.
Dabei sein
Für diese 10 Umbau-Konzepte sucht AFEA nun Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, für die sie ein Konzept erarbeiten dürfen. Das findet in Form eines kurzen Gesprächs und einer Hausbesichtigung statt. Danach wird ein individuelles Konzept für Ihr Haus erarbeitet. Für Sie ist das unverbindlich und kostenlos. Alle Ergebnisse werden am 17. Mai ausgestellt – Namen und Adresse werden anonymisiert. Aimée Michelfelder und Jurek Brüggen freuen sich über eine Kontaktaufnahme via Telefon oder E-Mail.
Sind Sie dabei?
Möchten Sie kostenlos zu professionellen Ideen kommen, wie Ihr Einfamilienhaus sich weiter entwickeln kann? Dann melden Sie sich! Informationen zum Projekt in Uzwil: www.allesbleibtanders.ch | Hausbesichtigungen und Umbaukonzepte vom 7. bis 17. Mai 2026 | Ort des temporären Büros: Pallotti-Huus, 9244 Niederuzwil | Abschlussausstellung mit Apéro: 17. Mai, 17 Uhr | Mailadresse für Fragen oder Anmeldung: hallo@allesbleibtanders.ch |Telefonnummer Aimée Michelfelder: 077 267 98 71 | Informationen zu AFEA: www.afea.site