Grossbaustelle Reservoir
Der Juni war zu heiss und zu trocken. Schon der Frühling brachte ein deutliches Niederschlagsdefizit. Im ersten Halbjahr 2026 fiel im Kanton St. Gallen nur die Hälfte bis drei Viertel der durchschnittlichen Niederschlagssumme. Natürlich: Solche Situationen gabs auch schon früher. Ihre Häufigkeit hat deutlich zugenommen. Das bringt vielschichtige Herausforderungen.
Versorgungssicherheit erhöhen
Hitze- und Trockenperioden führen regelmässig vor Augen, wie wichtig eine funktionierende Wasserversorgung ist. Klar, auch Wasserversorgungen können nicht zaubern. Bei Hitze und Trockenheit steigt der Wasserverbrauch stark an, gleichzeitig sinken die Grundwasserstände, die Quellen liefern weniger Wasser. Irgendwann wird das Wasser knapp. Was die Wasserversorgungen tun können: Laufend ins Netz investieren, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Volumen verdreifachen
Seit letzten November bauen die Technischen Betriebe Uzwil am Reservoir an der Sonnenbergstrasse. Das alte Reservoir versieht seinen Dienst seit 1938. Es verfügt über mehrere Wasser-Kammern, die insgesamt 800'000 Liter Wasser beinhalten können. Gespiesen wird es mit Wasser der Quellen am Vogelsberg und aus den Grundwasserpumpen in der Thurebene. Ab dem Reservoir wird Niederuzwil mit Trinkwasser versorgt. Sein Speichervolumen wird mit dem Umbau auf 2,6 Millionen. Liter mehr als verdreifacht. Im Normalbetrieb wird dieses Volumen ausreichen, den Niederuzwiler Wasserverbrauch für zwei Tage zu decken. An Spitzentagen reicht es für gut einen Tag. Das grössere Volumen ermöglicht dem Reservoir künftig, auch für die Löschwasserversorgung eine wichtige Funktion zu übernehmen. Insgesamt erhöht es die Versorgungssicherheit im Gesamtsystem der Uzwiler Wasserversorgung.
Hälfte gebaut
Eine der Herausforderungen der Bauarbeiten ist, dass ein Teil des alten Reservoirs während der ganzen Bauzeit in Betrieb bleiben muss, um die Versorgung im Zusammenspiel mit den anderen Reservoirs sicherstellen zu können. In den letzten Monaten wurde ein erster Teil abgebrochen und durch eine neue, wesentlich grössere Kammer ersetzt. Sie ist fertig gebaut, aktuell laufen die Dichtigkeitsprüfungen. Im August soll sie in Betrieb gehen. Bis Ende Jahr wird in der zweiten Etappe der letzte Teil des alten Reservoirs abgebrochen und die zweite neue Kammer gebaut. Spürbar sind die Arbeiten auch für die Anwohnerinnen und Anwohner. Die Transport- und Hauptleitungen des neuen Reservoir kommen tief unter dem Boden zu liegen, in der Sonnenbergstrasse. Stromleitungen müssen neu verlegt werden. Die Strasse ist wegen der Werkleitungsbauten gesperrt.
Anspruchsvoll
Thomas Bühler arbeitet seit 20 Jahren als Rohrnetzmonteur bei den Technischen Betrieben, ist ein ausgewiesener Fachmann. Er hat im Werk auch die Wasserwart-Funktion und betreut die Reservoir-Baustelle. «Es ist die herausforderndste und anspruchsvollste – und gleichzeitig die spannendste, die ich in all den Jahren betreut habe.» Der Blick auf die weit verzweigten grosskalibrigen Chromstahl-Verrohrungen im Innern der Anlage mit all ihren Pumpen und Schiebern, der Blick auf die vielen technischen Einrichtungen, welche er und seine Arbeitskollegen eingebaut haben, unterstreicht das. Und er ergänzt: «Herausfordernd ist auch, in enger Abstimmung mit dem Ingenieur dafür zu sorgen, dass trotz Baustelle das Gesamtsystem der Wasserversorgung jederzeit funktioniert.» Risiken bleiben bei jeder Baustelle. Bis jetzt hat alles funktioniert.