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11.03.2026
Allgemein
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Generationenprojekt vor dem Baustart

Anfang April entscheiden die 21 Delegierten des Abwasserverbands Thurau über das baureif ausge-arbeitete Bauprojekt der ARA Thurau. Das Bauprojekt weist Gesamtkosten von 217 Millionen Fran-ken aus. Nach Abzug der erwarteten Bundesbeiträge liegen die Kosten bei etwas unter 200 Millionen Franken. Bei einem positiven Beschluss ist der Baustart für November 2026 vorgesehen.

Sauberes Wasser ist eine zentrale Grundlage unserer Lebensqualität. Damit Gewässer und Trinkwasser langfristig geschützt bleiben, braucht es eine leistungsfähige und zukunftsgerichtete Infrastruktur. Mit der ARA Thurau haben sich elf Gemeinden zu einem Verband organisiert, um ihre Abwasserreinigung an einem Standort in Niederuzwil zu bündeln. Die neue Anlage ist auf die langfristige Entwicklung der Region dimensioniert und bis zum Jahr 2100 ausbaufähig. Zu den bewährten mechanischen und biologischen Reinigungsstufen kommt die wirksame Entfernung von Mi-kroverunreinigungen hinzu. Neu ist zudem die Fähigkeit, den Stickstoffausstoss massgeblich zu verringern. Damit erfüllt die Anlage Anforderungen, mit denen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch künftig zu rechnen ist. Da es bis ins Jahr 2033 dauern wird, bis die Anlage fertig ist, ist diese Vorausschau zentral. All das verbessert die Wasserqualität der Thur dauerhaft und schützt das Trinkwasser.

Planung weit fortgeschritten 
Das Projekt ist jetzt baureif ausgearbeitet. Dafür wurden in den letzten drei Jahren rund 24’000 Arbeitsstunden investiert. Mit der ARA wird eine komplexe «Fabrik» entstehen, die mechanische, hydraulische, biologische und chemische Verfahren kombiniert. Sie muss rund um die Uhr laufen und gegen Ausfall geschützt sein. Geplant sind unter anderem rund 10’000 Meter Leitungen ausserhalb der ARA Thurau und nochmals über 10’000 Meter Leitungen auf der ARA Thurau selber, drei Trafostationen sowie rund 250 teils sehr spezia-lisierte Maschinen der Abwassertechnik.

Neue Anforderungen 
Gegenüber dem Vorprojekt blieben das Konzept der Reinigungsverfahren sowie die Anordnung von Becken und Gebäuden unverändert. Neue Anforderungen und genauere Erkenntnisse über den Baugrund oder PFAS-Stoffe sind zusätzlich ins Bauprojekt eingeflossen. Ebenso zeigte sich, dass es anspruchsvoll ist, eine Anlage dieser Grösse zu bauen, während die bestehende Anlage in Betrieb bleiben muss.  Die baurechtlichen Vorprüfungen durch Gemeinde, Kanton und Bund wurden durchgeführt. Das Projekt ist bewilligungsfähig. Zudem wurde es fachlich mehrfach extern überprüft – unter anderem durch ein unabhängiges Projektaudit sowie separate Kostenprüfungen. Die Ergebnisse bestätigen die Plausibilität von Dimensionierung und Kosten im Branchenvergleich. Läuft das Baubewilligungsverfahren ohne Rechtsverfahren, kann der Baustart im November 2026 erfolgen.

Aktualisierte Kostenbasis 
Als die elf Gemeinden 2021 über den Zusammenschluss entschieden, lag ein Vorprojekt vor. Dieses rechnete mit Gesamtkosten von 142 Millionen Franken. Ein Vorprojekt ist noch keine detaillierte Bauplanung. Es basiert in vielen Punkten auf Schätzungen und weist eine gewisse Ungenauigkeit auf. In den letzten drei Jahren wurde das Projekt bis zur Baureife ausgearbeitet. Dabei hat sich gezeigt, dass mehrere Faktoren zusammenkommen: 

- Die Preise sind stark gestiegen. Seit 2021 beträgt die Teuerung im Bau rund 16 Prozent, bei der spezialisierten Maschinentechnik sogar über 30 Prozent. Das führt allein zu Mehrkosten von rund 24 Millionen Franken. 

- Das Projekt wurde inhaltlich ergänzt. Neue Anforderungen – etwa bei der Stickstoffentfernung, beim Schutz des Grundwassers oder im Umgang mit PFAS – mussten berücksichtigt werden. Diese Anpassungen schlagen mit rund 24 Millionen Franken zu Buche. Hinzu kommen rund 5 Millionen Franken für die fachgerechte Entsorgung von PFAS-belastetem Aushubmaterial. 

- Aus einer groben Schätzung wurde eine detaillierte Planung. Heute liegen exakte Mengen, verbindlichere Preisgrundlagen und vertiefte Baugrunduntersuchungen vor. Diese genauere Berechnung führte zu den übrigen Mehrkosten von 22 Millionen.

Das nun vorliegende Bauprojekt weist Gesamtkosten von 217 Millionen  Franken aus. Wichtig ist: Das Grundkonzept blieb gleich. Teuerung, genauere Planung und zusätzliche Anforderungen erklären die Entwicklung. Das Bauprojekt basiert nun auf konkreten Verfahren, präzisen Mengen und aktuellen Marktpreisen und schafft damit eine verlässliche Grundlage für die Umsetzung. Nach Abzug des erwarteten Bundesbeitrags liegen die Nettokosten für die elf Trägergemeinden zusammen etwas unter 200 Millionen Franken.

Wer ist zuständig?
Die ARA Thurau ist als Zweckverband organisiert. Mehrere Gemeinden erfüllen damit eine Infrastrukturaufgabe gemeinsam. Die oberste Instanz ist die Delegiertenversammlung, in der die beteiligten Gemeinden vertreten sind. Ein vergleichbares Konstrukt in der Region ist der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB), bei dem die Delegierten ebenfalls über Investitionen für den Ausbau und die Erneuerung der Anlage beschliessen. Auch bei der ARA Thurau ist die Budgetkompetenz klar geregelt: Die von den Gemeinden entsandten Delegierten entscheiden abschliessend über das Bauprojekt und den Kredit. Damit sie diese Verantwortung wahrnehmen können, wurden die Delegierten und die Verbandsgemeinden seit der Gründung laufend über die Projektentwicklung informiert. Anfang April wird die Delegiertenversammlung den formellen Kreditbeschluss fassen. | Markus Gresch, Abwasserverband Thurau

Zentrale Lösung bleibt wirtschaftlich sinnvoll 
Bereits 2022 stellte sich die Frage, ob einzelne Gemeinden mit eigenen Anlagen günstiger fahren würden. Diese Frage kann nach erneuter Begutachtung weiterhin verneint werden. Die verschärften technischen Anforderungen – etwa bei Stickstoffelimination oder Mikroverunreinigungen – würden auch für Einzelprojekte gelten und vergleichbare Investitionen auslösen. Mehrere parallele Projekte wären zudem planerisch anspruchsvoll und ressourcenintensiv. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist der Betrieb einer zentralen ARA deutlich wirtschaftlicher als der parallele Betrieb mehrerer Einzelanlagen. Mit weiter steigenden gesetzlichen Anforderungen dürfte sich dieser Vorteil zusätzlich vergrössern. Die Auswirkungen auf den Abwasserpreis werden die Delegierten und die Gemeinden in ihre finanzpolitischen Überlegungen einbeziehen. Unabhängig davon bleiben die Gemeinden für den Unterhalt und die Weiterentwicklung ihrer eigenen Abwassernetze verantwortlich.