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11.03.2026
Kommentar des Gemeindepräsidenten
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Deal

Sitze im Park vorm Leonhard-Schulhaus in St.Gallen an der Frühlingssonne. In 15 Minuten ist Sitzung beim Kanton. Auf dem Kiesplatz herrscht buntes Treiben, aus Beeten drängen Blumen ans Licht. Sind’s Narzissen?

Die Situation passt nicht zu meiner Grundstimmung. Verärgerung muss raus, an die Sonne, ans Licht. Ursache ist die sich ausbreitende Deal-Mentalität. Sie begegnet mir in regionalen Aufgaben, Kostenteiler-Diskussionen, Projekten von Privaten. Diese Haltung gehört richtig ausgeklopft - Frühlingsputz! Mich stört, dass der gut-schweizerische Kompromiss schleichend durch eine Deal-Mentalität ersetzt werden soll: Wenn’s international geht, weshalb nicht hier? Auch schlechte Vorbilder wirken.

Warum? Der schweizerische Kompromiss ist auf lange Frist, auf Ausgleich angelegt. Das ist Arbeit, erfordert Empathie. Der Deal wittert das schnelle Geschäft, haut ab, bevor sich die Folgen zeigen. Das ist unschweizerische Machtpolitik.

Wozu sich ärgern? Die Sonne ist weitergewandert, hat mich in den Schatten gesetzt, kompromisslos, ohne zu verhandeln.

Lucas Keel
Gemeindepräsident