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09.01.2026
Allgemein
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Das Band durchschnitten

Brückeneinweihungen waren in der Vergangenheit aussergewöhnliche Momente. Im Bild unten durchschneidet Regierungsrat Kessler am 5. Oktober 1947 das Band zur Einweihung der damals neuen Brübacher Brücke. Am Anlass gab es nicht weniger als vier Festansprachen.

So wurde 1947 die Brübacher Brücke eingeweiht. Viel Volk, Fahnen, ein durchschnittenes Band, ein Regierungsrat in Aktion.

Die Vorgängerbrücke der damals neuen Brübacher Brücke war die letzte Holzbrücke an diesem geschichtsträchtigen Ort. Sie war für die Gemeinden Henau und Oberbüren ein Lehrstück in Sachen billig bauen. 

Billig bauen
Die Geschichte der früheren Holzbrücke ist dank den Archivbeständen der Gemeinde und der historischen Publikation «Die Brübacherbrücke» aus dem Jahr 1947 gut dokumentiert. Daraus: Die beiden Gemeinden wollten für den Brückenbau in den 1850er Jahren möglichst wenig Geld ausgeben, versuchten erfolglos, das billigste Angebot noch weiter herunterzuhandeln. 1858 eingeweiht, zeigte sich schon bald, dass die Brücke zu billig gebaut wurde. Bald musste das Dach ausgebessert werden, dann senkte sich die Brücke bös durch und musste mit einem Mittelpfeiler verstärkt werden, damit sie nicht kollabierte. Nach nur 35 Jahren galt die Brücke als abbruchreif, obwohl sie keine ausserordentlichen Naturereignisse zu bewältigen hatte. Sie war einfach in allen Teilen zu billig. 

Dreifache Baukosten für Flickwerk
Und so blieb den beiden Gemeinden nichts anderes übrig, als laufend an der Brücke herumzuflicken. Am Ende durfte die Holzbrücke nur noch von Fahrzeugen bis zum Gewicht von einer Tonne und auf eigenes Risiko befahren werden. Der Mittelpfeiler der Brücke war längst von der Thur bedenklich unterspült. Das Fazit: Bis zu ihrem Abbruch wurden mehr als die dreifachen Baukosten ins Flickwerk investiert, um die «billige» Brücke am Leben zu erhalten.