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23.01.2026
Kommentar des Gemeindepräsidenten
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Brauche

Stehe in einem Laden, es ist viel los. Eine Frau neben mir an der Kasse, die Kinder quengeln im gesunden Rahmen. Sie meint ob der beanspruchten Nerven: «Heute Abend brauche ich ein Bier!» Und ich: «Wenns beim einen bleibt?»

Hernach beschäftigte mich, ob mein Kommentar etwas zu weit ging, übergriffig war. Und weshalb hatte ich so reagiert? Kürzlich beschrieb ein Kollege, dass er, wenn er nach einem langen Tag heimkomme, einen Whisky brauche. Das hat mich beschäftigt. Wie entsteht Sucht, was ist meine Rolle, wie kümmere ich mich?

Ein Whisky, ein Bier - die Grenzen zwischen Genuss und (Selbst-)Medizin sind fliessend und schleichend. Im Januar ists ein Freitagsabend-Bier, im März sind es zwei, im Juni ist der Donnerstag der Freitag. Was als Genuss begann, kann in einer Krise zu einer Krise werden. Wie gefährdet bin ich, sind andere?

Jetzt weiss ich es. Es ist der Satz ‚ich brauche …‘, der mich hellhörig gemacht und in die Gänge gebracht hat. Wir sollten uns Menschen die bessere Medizin sein. Dafür brauche ich Sie.

Lucas Keel
Gemeindepräsident